Alles fängt an, auseinander zu fallen

Beim Abschluss eines Treffens 1984 in Singapur über Sumatra-Nashörner hatten die Naturschützer eine mutige, internationale und kooperative Vereinbarung getroffen, von der sie hofften, damit eine große und sichere Population für die Art zu erreichen, um sicher zu stellen, dass sie niemals von der Erde verschwinden würde – auch wenn sie im Freiland ausstürbe.

Teams auf der Halbinsel Malaysien im Bundesstaat Sabah auf dem malaysischen Borneo und auf der indonesischen Insel Sumatra versuchten, Nashörner einzufangen, die in Gebieten lebten, in denen sie auf lange Sicht keine Überlebenschance hatten. Diese Tiere wurden dann in Zuchtpaaren zwischen Malaysien, Indonesien, zwei Zoos in Großbritannien und vier Zoos in den USA aufgeteilt. Die Vereinbarung beinhaltete finanzielle Unterstützung und technische Hilfe aus Großbritannien und den USA und alle Entscheidungen sollten mit Blick auf das Wohl der Art getroffen werden.

‚In den frühen Tagen gab es viel Optimismus, Hoffnung und Erwartung, dass dieses Zuchtprogramm… sich erfolgreich entwickeln könnte‘, sagte Tom Foose, Architekt des Plans, bei einer 2000 von Animal Planet veröffentlichten Dokumentation mit dem Titel: ‚Das letzte Nashorn‘. ‚Wir züchteten drei andere Nashornarten in Gefangenschaft und hatten daher allen Grund zu der Annahme, wir würden mit dem Sumatra-Nashorn den gleichen Erfolg haben.‘

Dieser große Plan begann sich jedoch mit bemerkenswerter Geschwindigkeit aufzulösen.

Als erstes zogen sich zwei Zoos, die Interesse gezeigt hatten – Zoo Miami und der National Zoo in Washington D.C. – aufgrund der hohen Kosten aus dem Projekt zurück. Dann liefen die Dinge in Sabah schlecht. 1985 setzten Wahlen die seit neun Jahren regierende Partei ab.

Then things went sour in Sabah. In 1985, elections sent the ruling party, in power for nine years, out into the cold.

Ein in Malaysien gefangenes Nashorn wurde auf einem Lastwagen für den Transport in einer Kiste verladen. Innerhalb weniger Jahre nach dem Treffen von 1984 beschloss Malaysien, keine Nashörner nach Großbritannien oder in die USA zu schicken. Bild von Mohammed Khan Bin Momin Khan.

‚Alle neuen Minister beschlossen „wir müssen nicht mit Ausländern zusammenarbeiten, wir sind absolut in der Lage, das selber zu machen, wir werden das Nashorn retten“‚ sagte John Payne, der zu dieser Zeit mit WWF Malaysien in Sabah war und jetzt die Borneo Rhino Allianz (BORA) leitet.

Sabahs Forstwirtschaftsdepartment hatte den Plan favorisiert und wollte ihn einhalten. Als jedoch bekannt wurde, dass Sabah einige Nashorn-Paare ins Ausland schicken würde, protestierten mehrere lokale NGOs, es gab einen öffentlichen Aufruhr und schließlich zog sich die neue Regierung aus der Vereinbarung zurück.

‚Diese Entscheidung Sabahs war eine Katastrophe‘, sagte Payne. ‚Es bedeutete, alle vorherigen Diskussionen waren Zeitverschwendung, zumindest was Sabah angeht.‘ Als nächstes zeigte die Halbinsel Malaysien, die bereits ein Nashorn im Malacca Zoo hielt, kein Interesse daran, eines seiner Nashörner nach Großbritannien oder in die USA zu schicken. Zu dieser Zeit schätzten Experten den Bestand der Halbinsel Malaysien auf 50 – 121 Nashörner, obwohl die wirkliche Zahl wahrscheinlich niedriger war.

‚Ich war dafür, unsere Nashörner in die Staaten zu schicken‘, sagte Mohammed Khan bin Momin Khan, damals Generaldirektor des Departments für Wildtiere und Nationalparks von Malaysien. Aber die malaysische Öffentlichkeit und viele im Department waren dagegen. Und sind es weiterhin. Das Geschrei war groß. Sie hatten Unrecht, die Amerikaner waren wirklich gute Freunde und haben sehr eng mit mir zusammengearbeitet.‘

Diese Grafik zeigt die Lebensdauer der Sumatra-Nashörner in Gefangenschaft, die in Einrichtungen in Malaysien gelandet sind, abhängig von ihrem endgültigen Zielort. Das einzige Nashorn, das in Gefangenschaft ein Jungtier geboren hat, war Runa, die tragend war als sie gefangen wurde. Tam und Iman leben noch und sind derzeit die einzigen Nashörner Borneos in Gefangenschaft. Grafik von Willie Shubert/Mongabay

Da sowohl Sabah, als auch die Halbinsel Malaysien nicht bereit waren, ihre Nashörner zu teilen, waren die Zoos in den USA und Großbritannien auf nur eine Population angewiesen: die aus Sumatra. John Aspinall, der zwei Zoos in Großbritannien besaß, hatte bereits einen Deal mit Indonesien. Da sie keinen Zugang mehr zu den Nashörnern Malaysiens hatten, unterzeichnete der in den USA ansässige Sumatra-Rhino-Trust eine ähnliche Vereinbarung.

Aber wer sollte die ersten Nashörner bekommen? Es gab vier beteiligte Zoos in den USA und jeder wollte der erste sein. Die Zoo-Direktoren machten das einzige, was fair erschien: Sie zogen Strohhalme. Cincinnati zog den längsten, dann der Bronx Zoo, dann der San Diego Zoo. Der Zoo Los Angeles zog den kürzesten Strohhalm.

‚Warren Thomas (Direktor des Los Angeles Zoo) war wütend darüber, dass wir das Paar bekamen und nicht er‘, sagte Maruska. ‚Er hat mich sogar angerufen und sagte ‚Ich will das Weibchen‘. Ich sagte: ‚Auf keinen Fall‘ ‚Nun, ich will Nashörner züchten‘, sagte er. ‚Wir auch und wir werden es tun‘.‘

Das erste Nashorn kam im November 1984 in die USA und überwinterte in Los Angeles, bevor es weiter nach Cincinnati ging.

Die U.S.-Zoos hofften auf 20 – 25 Nashörner; sie bekamen sieben.

Nashörner fangen

Auch wenn der Plan auseinanderfiel, eins ging weiter: der Fang der Nashörner.

Auf der Halbinsel Malaysien fingen Khan und sein Team 1984 zwei Nashörner und 1986 zwei weitere.

Unter Leitung des Tierfang-Experten Tony Parkinson fingen Teams auf Sumatra ihr erstes Nashorn 1985 in der Provinz Riau, nur 11 Monate nach dem Treffen. Das Nashorn, Torgamba genannt, war ein großer Bulle, der erstaunliche 26 Jahre in Gefangenschaft leben würde, 1986 ging er nach Großbritannien und schließlich zurück nach Sumatra.

Parkinson und sein Team fingen im nächsten Jahr fünf weitere Nashörner auf Sumatra, aber eins starb beim Fang.

Sabah war deutlich langsamer beim Fang von Nashörnern, teilweise wegen seiner politischen Veränderungen. Das erste Nashorn in Sabah wurde im März 1987 gefangen. Es wurde jedoch in der Falle verletzt und starb.

‚Es gab überhaupt keine Fachkenntnisse‘, sagte Payne über das Team, das die ersten Nashörner in Sabah fangen sollte, und jede internationale Hilfe und Beratung abgelehnt hatte. ‚Daher starb das erste Nashorn in einer Grube. Um diese Zeit hatte ich das Interesse verloren und dachte, es wäre sinnlos weiter zu machen.’

Payne nahm eine Auszeit von Nashörnern und stieg erst 2007 wieder ein.

Eine Transportkiste, vorbereitet für eins der auf der Halbinsel Malaysien gefangenen Nashörner. Bild von Mohammed Khan bin Momin Khan.

Ein zweites Nashorn wurde etwa vier Monate später gefangen, dieses überlebte.

‚Wir waren besorgt, da niemand je ein Sumatra-Nashorn im Freiland für mehr als ein paar Minuten gesehen hatte‘, sagte Khan über die ersten Tage des Fangs dieser ein Tonnen schweren Tiere. ‚Diese Tiere zu fangen bringt sie in große Gefahr.‘

Von den 40 Fängen zwischen 1984 und 1995 starben drei Nashörner an Verletzungen, die sie sich in den Fallen zugezogen hatten: zwei in Sabah und eins in Sumatra. Khan verlor kein einziges in einer Falle.

Jedoch die Nashörner, die ihren Fang überlebten, gediehen in Gefangenschaft nicht. Als mehr Nashörner gefangen wurden, stieg die Zahl der Todesfälle rasch an.

Am 1. Januar 1990 waren schon acht der 26 gefangenen Nashörner gestorben – eine Todesrate von 30%.

Diese Grafik zeigt die Lebensspanne der gefangenen Nashörner, die in Einrichtungen in Indonesien gehalten wurden. Bina ist die einzige Überlebende des ursprünglichen Fang-Programms. Sie lebt im Sumatra-Rhino-Sanctuary in Way Kamba mit Rosa, Ratu und ihren zwei Kälbern, und zwei Nashorn-Bullen, die im Zoo Cincinnati gezüchtet wurden. Bild von Willie Shubert/Mongabay

Häufung der Todesfälle

Die Liste der Todesursachen für die Sumatra-Nashörner, die zwischen 1984 und 1995 gefangen wurden, ist eine düstere Lektüre: Strangulation, Darmverstopfung, Krebs, ein heruntergefallener Ast, schlechte Ernährung.

Während Naturschützer Nashörner fangen konnten, fiel es ihnen viel schwerer, sie am Leben zu halten. In freier Wildbahn wird die Lebensdauer für die Art auf 35 – 40 Jahre geschätzt. Die zu dieser Zeit gefangenen Tiere überlebten im Durchschnitt weniger als 9 Jahre.

Heute gibt es nur noch einen Überlebenden aus dieser Zeit: Bina. Sie lebt heute im Sumatra Rhino Sanctuary (SRS) im Way Kambas National Park und ist seit 27 Jahren in Gefangenschaft. Naturschützer versuchen noch immer, sie zur Zucht zu bringen.

Aber warum starben so viele Nashörner? Experten nennen verschiedene Gründe. Als erstes, weil nur Tiere aus vom direkten Untergang bedrohten Populationen gefangen wurden. Viele dieser Tiere waren wahrscheinlich schon älter und Teil einer Population, die schon lange einem genetischen Schwund ausgesetzt waren. ‚Diese Nashörner sind in der Regel die letzten übrig gebliebenen, ehe eine Population ausstirbt‘, sagte Payne.

Diese Grafik zeigt das Datum des Fangs sowie Zeit und Ort des Todes von den Sumatra-Nashörnern, die in Indonesien gefangen und in die USA gebracht wurden als Teil der Zuchtbemühungen. Ipuh (Bulle) und Emi (Kuh) waren das einzige Paar, das erfolgreich züchtete. Bild von Willie Shubert/Mongabay

Es machte die Dinge schlimmer, dass sowohl die Zoos als auch die Schutzstationen die Nashörner anfangs ganz falsch fütterten. Sie waren an die Haltung von Spitz- und Breitmaulnashorn gewöhnt, grasfressende Arten, die mit Heu gut zurechtkommen. Sie kannten nicht die besonderen Bedürfnisse der Sumatra-Nashörner. ‚Ich denke, es gab wahrscheinlich die Ansicht, ein Nashorn sei ein Nashorn sei ein Nashorn‘, sagte Susie Ellis, Leiterin der internationalen Rhino Foundation.

Pfleger fütterten das Sumatra-Nashorn zuerst, als wäre es ein Breitmaul-Nashorn, eine Art, die nicht einmal in der gleichen Gattung ist.

‚San Diego verlor sein Tier sofort aufgrund einer Darmverschlingung‘, sagte Maruska. ‚Das ist dasselbe, was bei Pferden passiert, wenn sie zu viel Getreide fressen. Sie fütterten ihren Tieren körbeweise Getreide.‘

Maruskas Zoo, Cincinnati, hatte die gleichen Probleme. Paul Reinhart, der damalige Pfleger der Sumatra-Nashörner, sagte, das erste Nashorn, das 1989 in die USA geschickt wurde, ein Weibchen namens Mahatu, ‚gedieh hier nicht‘. Sie starb nur drei Jahre nach ihrer Ankunft.

‚Wir wussten nicht viel über Sumatra-Nashörner, kaum jemand tat das‘, sagte Reinhart. ‚Wir nahmen an, man könnte sie wie Panzer-Nashörner halten und wie Spitzmaul-Nashörner mit hochwertiger Luzerne, Getreide und Laub füttern …aber das war nicht der Fall, nicht im entferntesten…Die Tiere gediehen nicht in Gefangenschaft bis wir dazu übergingen sie mit großen Mengen Laub zu füttern, welches wir von San Diego und Florida bekamen.‘

Als Tiere des tropischen Regenwaldes fressen Sumatra-Nashörner kein Gras, stellte sich heraus, sondern ganze Zweige und Blätter. Sie neigen dazu, die Vegetation ins Maul zu ziehen und einfach alles weg zu mampfen.

Ipuh lebte 22 Jahre im Zoo Cincinnati bis zu seinem Tod im Jahre 2013. Seine Überreste sind noch in Cincinnati ausgestellt. Mit freundlicher Genehmigung des Cincinnati Zoo.

1991 kam Ipuh, ein Bulle, im Zoo Cincinnati an. Er sah bereits matt aus, also rief der Zoo Cincinnati im Zoo San Diego an, um nach ‚Laub‘ zu fragen, das heißt, den Schnitt von Ficus-Bäumen, die um den Zoo herum wuchsen.

Reinhart sagte, als der Pfleger die Äste mit einem Schlauch abspritzte, reagierte Ipuh sofort: Er stand auf und kam heran um die frischen Äste zu riechen.

‚Er brauchte ungefähr eineinhalb Jahre, um sich wirklich zu erholen und auszusehen, wie ein Sumatra-Nashorn auszusehen hat‘, sagte Reinhart.

Ein weiteres Problem waren Krankheiten. Die Nashörner, wahrscheinlich älter und durch Inzucht geschwächt, litten unter Krebs. Augenproblemen, Eisenspeicherkrankheit, Parasiten und in einigen Fällen bakteriellen Infektionen. In einem Schreiben aus dem Jahre 2013 argumentierten Hamid Ahmad, John Payne und Zainal Zahari, dass einige Todesfälle durch Krankheiten hätten vermieden werden können.

‚Unglaublich war, dass die grundlegende Hygiene im Allgemeinen schlecht war (in malaysischen Einrichtungen), wobei zumindest einige Sumatra-Nashörner längere Zeit in Einrichtungen gehalten wurden, in denen es an Hygieneprotokollen und Biosicherheitsmaßnahmen fehlte und es keine Versorgung durch erfahrene Tierärzte gab‘, schrieben sie. Zum Beispiel wurde darauf hingewiesen, dass sauberes Leitungswasser im Malacca Zoo erst verfügbar war, nachdem zwei Tiere gestorben waren.

‚Ich denke, eine Reihe von… Nashörnern starben durch bakterielle Infektionen, die mit Antibiotika hätten behandelt werden können und sollen – aber das geschah nicht‘, sagte Payne.

Es gab auch Unfälle. Ein Weibchen namens Melintang strangulierte sich in einem unsachgemäß aufgebauten Zaun, nachdem sie an Thailand verschenkt worden war. Ein Bulle namens Tanjung wurde von einem fallenden Ast getötet – etwas, das auch im Wald hätte passieren können. Ein anderer Bulle, Bulud, entkam nach vier Monaten und wurde nie wieder eingefangen.

Sungai Dusun

Die schlimmsten 18 Tage für den Sumatra-Nashorn-Schutz kamen im Oktober und November 2003. Fünf Nashörner, vier Kühe und ein Bulle, starben im Malaysischen Sumatra Rhino Center in Sungai Dusun.

Ein Bulle, Shah, starb dort ein Jahr früher, gefolgt von einem Weibchen, Rima, im April des gleichen Jahres. Dann, am 28. Oktober, wurde ein weiteres Weibchen tot aufgefunden. Elf Tage später starb Ara, der einzige Bulle. Am nächsten Tag starb ein Weibchen namens Panjang. Die letzten beiden Weibchen, Manah und Mas Merah, starben in der folgenden Woche.

Mit ihnen starb die gesamte Population in Menschenhand auf der Halbinsel Malaysien.

‚Es war sehr schmerzhaft, die Leiden zu beobachten, die zum Tod dieser wertvollen Tiere führten‘, sagte Khan.

Niemand weiß sicher was eigentlich passiert war. Es gab zwei unterschiedliche Theorien.

Erstens: Die Tiere starben an Trypanosomiasis, einer Art von Parasiten, die von stechenden Insekten übertragen wird.

‚Ich würde sagen, vieles deutet darauf hin, dass sie an Trypanosomiasis gestorben sind‘, sagte Terri Roth, eine Nashornexpertin und Leiterin von CREW, einer Forschungseinrichtung im Cincinnati Zoo, und Mitautorin eines Berichtes ein Jahr nach der Tragödie. Roth und andere meinten, Wasserbüffel, die oft in einem Kanal neben dem Zentrum standen, könnten die Quelle gewesen sein. Fliegen könnten die Büffel gestochen haben und dann auch die Nashörner.

Die andere Theorie besagt, dass die Tiere an bakteriellen Infektionen wie E.coli und Lungenentzündung starben. Laut des Berichts von Ahmad, Payne und Zainudden haben Trypanosomen sie wahrscheinlich erst infiziert, nachdem ihr Immunsystem bereits durch E.coli und Lungenentzündung geschwächt war. Ursache sei das angeblich schlechte Management der Einrichtung. Ansonsten, argumentierten sie, warum starb in den 18 Jahren vorher kein Tier an Trypanosomiasis?

‚Die Schlussfolgerung, dass Trypanosomen die Ursache für die Todesfälle waren, wurde möglicherweise gezogen, um die chronisch schlechte Hygiene in der Einrichtung nicht zur Sprache zu bringen‘, folgerte der Bericht.

Als offizielle Todesursache wurde Trypanosomiasis genannt.

Alle Weibchen außer einem paarten sich mit einem Bullen, stelle Terri Roth fest, als sie die Einrichtung besuchte und sie meinte, die Nashörner schienen gut gepflegt zu sein. Bild von Terry Roth.

‚Ich besuchte das Sumatran Rhino Conservation Center in Sungai Dusun mehrmals‘ , sagte Roth. ‚Im Allgemeinen war die Anlage schön, die Nashörner wirkten gesund, gepflegt und körperlich in guter Verfassung.‘

Sie sagt, die Mannschaft habe Bullen und Weibchen erfolgreich zur Paarung gebracht, jedoch aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen ohne erfolgreichen Nachwuchs.‘

‚Ich glaube, nach diesem tragischen Ausgang hat Sungai Dusun viel unverdiente Kritik einstecken müssen‘, fügte sie hinzu. ‚Sicher, es war nicht perfekt, aber es war eine gepflegte Einrichtung, in der sich die Nashörner oft paarten.‘

Nachdem das Zentrum alle Nashörner verloren hatte, wechselte Sungai Dusum zur Haltung von Schabracken-Tapiren. Im Jahr 2010 starben sieben Tapire an E.coli und Lungenentzündung.

Was auch immer die Ursache für die Tragödie in Sungai Dusun war, es machte eines deutlich: zu viele bedrohte Tiere an einem Ort zu halten ist unglaublich riskant.

‚Deswegen machen wir uns so viele Sorgen über das, was im Sumatran Rhino Sanctuary (in Way Kambas) geschieht, denn diese Nashörner sind so nahe beieinander, wenn eines an so etwas erkrankt, kann sich das sehr schnell ausbreiten‘, sagte Roth.

Der Ausfall für Malaysien war prompt und groß.

‚Tom (Foose) dachte, dass wir sabotiert würden und zog die US-Gelder zurück‘, sagte Khan. ‚Ich bemühte mich, Geld zu bekommen und 2010 – 2011 wurden unsere Nashörner für ausgestorben gehalten.‘

1995 schien das Nashorn-Zuchtprogramm zum Scheitern verurteilt zu sein. Vierzig Tiere waren gefangen worden – 12 auf der Halbinsel Malaysien, 10 in Sabah und 18 auf Sumatra. Und davon waren schockierende 19 tot, fast die Hälfte. Und das war vor der Katastrophe on Sungai Dusun. Verschärft wurde der Misserfolg dadurch, dass selbst 11 Jahre nach dem Treffen in Singapur noch kein einziges Kalb geboren worden war. 1993 ging der Sumatran Rhino Trust, einst ein vielversprechendes Unterfangen, den Bach runter.

Nicht nur schien das Programm gescheitert, es war auch eine Schande für den Naturschutz. Payne sagt, er glaubt, dass ein Hauptproblem des Programmes darin bestand, Tiere nur aus Populationen zu entnehmen, die zum Aussterben verurteilt waren, deren Lebensraum also durch Holzeinschlag und Landwirtschaft vernichtet wurde. Das sei zwar politisch sinnvoll und ein gutes Argument gegen Kritiker, die meinten, Nashörner sollten nicht der Wildnis entnommen werden. Es bedeutete aber auch, dass die gefangenen Tiere eher alt waren, von Inzucht geschwächt und seit Jahren kein anderes Nashorn gesehen hatten.

‚Es war ein schicksalhafter Fehler, nur diese Nashörner einzufangen, denn es waren alte, zur Zucht ungeeignete Tiere, die so gefangen wurden‘, sagte Payne.

Puntung, hier abgebildet mit Tierarzt Zainal Zainuddin, kurz nach ihrem Fang 2011, wurde 2017 euthanasiert. Sie litt an Krebs und ihr Alter wurde bei ihrem Tod auf 25 Jahre geschätzt. Mit freundlicher Genehmigung von BORA.

Viele der gefangenen Weibchen hatten bereits oder entwickelten rasch reproduktive Probleme, unter anderem Gebärmutter-Tumore, die wahrscheinlich darauf zurückzuführen sind, dass sie sich so lange nicht fortgepflanzt hatten. Nashörner waren, laut Payne, selbst in großen Schutzgebieten einfach zu selten geworden, um einander zu finden.

‚Die Leute gehen davon aus, dass die Nashörner wissen, wo sich andere Nashörner befinden und sie sich treffen und sich paaren. Aber so ist es nicht – sie leben dort einfach ihr Leben…ohne jemals zu züchten‘, sagt er.

Mit der Zeit machten diese Tumore die Weibchen völlig unfruchtbar. Die Bullen dagegen mögen bei ihrem Fang schon älter gewesen sein mit niedriger Spermienzahl.

‚Man kann kein erfolgreiches Zuchtprogramm aufbauen, wenn man keine fortpflanzungsfähigen, gesunden Tiere hat‘, sagt Ellis von der International Rhino Foundation. Sie stellte fest, dass die SRS, als sie 1996 in Way Kambas startete, keinen Zuchterfolg hatte bis sie 2005 ein junges Weibchen, Rabu, aus dem Freiland bekam.

Eine Brücke und eine Kiste mit der ein gefangenes Nashorn während des ursprünglichen Programms 1984 transportiert wurde. Bild mit freundlicher Genehmigung von Francesco Nardelli.

Die derart kleine Population für die Zucht führte auch zu extremem Ungleichgewicht der Geschlechter. Auf der Halbinsel Malaysien waren nur zwei der elf Nashörner Bullen. In Sabah war die Situation genau umgekehrt. Dort wurden sechs Bullen gefangen (plus zwei, die beim Fang starben) und nur zwei Weibchen.

Das Fangprogramm auf Sumatra war das einzige, das kein ungleiches Geschlechterverhältnis brachte: sieben Bullen gegenüber zehn Weibchen (nicht mitgerechnet eine, die in der Falle starb).

Dieses Ungleichgewicht der Geschlechter wurde verschärft durch die mangelnde Bereitschaft, Nashörner abzugeben und die Unterarten zu mischen. Wären Sabah und die Halbinsel Malaysien bereit gewesen, ihre beiden Unterarten zu mischen, hätten sie möglicherweise mehr Glück gehabt, da Sabah hauptsächlich Bullen, die Halbinsel Malaysien hauptsächlich Weibchen hatte.

Obwohl die Gruppen sich zur Zusammenarbeit für das Beste der Art verpflichtet hatten, geschah das nicht immer. Zum Beispiel schickte Malaysien, das sich geweigert hatte, Nashörner an die USA oder Großbritannien zu geben, 1985 eines seiner Weibchen als Geschenk an den König von Thailand. Sie starb nach einem Jahr ohne Partner, als sie sich in Bangkoks Dusit Zoo in ihrem Zaun verfing und sich strangulierte. Manchmal blieb ein einzelnes Nashorn jahrelang ohne Partner in einer Einrichtung.

Melintang wurde 1985 auf der Habinsel Malaysien gefangen. Sie wurde als Geschenk für den König nach Thailand geschickt. Weniger als eineinhalb Jahre nach ihrem Fang starb sie durch unbeabsichtigtes Strangulieren im Zaun ihres Geheges im Dusit Zoo. Die Zaunstangen hatten nicht den richtigen Abstand voneinander. Bild von Mohammed Khan bin Momin Khan.

Die Entscheidung von Sabah und der Halbinsel Malaysien bedeutete, dass Zoos in den USA und Großbritannien bestenfalls ein Dutzend Nashörner für ihre Zuchtversuche hatten. ‚Wir hatten nicht genug Tiere um damit zu arbeiten. Wir hatten nur eine kleine Handvoll und mussten von diesen wenigen Tieren alles über sie lernen‘, sagte Maruska vom Zoo Cincinnati, der ersten Einrichtung, der eine Geburt gelang. ‚Wenn wir unser volles Limit von 25 Tieren hätten haben können…hätte das Programm mehr Aussicht auf Erfolg gehabt.‘

Gleichzeitig führten falsche Ernährung und Krankheiten dazu, dass viele Tiere nicht lange überlebten. Erong, 1984 auf der Halbinsel Malaysien gefangen, war ein Extrembeispiel.

‚Ein Ranger gab ihr Vollmilch und er wurde aufgefordert, das einzustellen‘, sagte Khan. ‚Erang war so jung und konnte die Milch nicht verdauen. Ich glaube, das war die Todesursache. Wir litten sehr als sie vor unseren Augen starb.‘

Erong, ein männliches Kalb, wurde von einem Ranger mit Vollmilch gefüttert. Es starb kurz darauf. Bild von Mohammed Khan bin Momin Khan.

Vieles davon ist natürlich darauf zurück zu führen, dass so wenig über diese Art bekannt war. Die Situation wurde jedoch verschärft durch das, was Payne als ‚ungesunden Wettbewerb‘ zwischen den Institutionen bezeichnete und die mangelnde Bereitschaft, Informationen auszutauschen. Ein Problem, das nach Ansicht einiger Quellen auch heute noch viele Schutzbemühungen erschwert.

Maruska meinte auch, dass sie zulange gewartet haben.

‚Es ist das gleiche Problem wie bei den Kalifornischen Kondoren. Sie warteten, bis nur noch eine kleine Zahl an Tieren übrig war und dann ist es der letzte Versuch (die Art zu züchten). Anstatt voraus zu schauen.‘

1995, als die Probleme des Programmes ihren Höhepunkt erreichten, schlug ein neuer Artikel wie eine Bombe ein. Alan Rabinowitzes ‚Eine Art zum Aussterben bringen: Sumatra-Nashörner in Borneo‘ verurteilte die jahrelange Strategie. Rabinowitz, ein hochangesehener Naturschützer, damals bei der Wildlife Conservation Society, kritisierte hart den Umgang mit den Sumatra-Nashörnern. Er schrieb: ‚Es wurden Zeit, Geld und Mühe verschwendet und ein Zuchtprogramm in Gefangenschaft über den Schutz im Freiland gestellt.‘

‚In Sabah wurden die einfachsten, am leichtesten zu vertretenden und sichtbarsten Schritte zuerst unternommen‘, schrieb er. Habitate wurden nur geschützt, wenn das nicht beanstandet wurde und laufende Holzfällarbeiten und landwirtschaftliche Entwicklungspläne nur minimal beeinträchtigten.‘

In dem Artikel bestritt Rabinowitz, dass viele der Nashornpopulationen bereits zum Aussterben verurteilt seien und bezeichnete diese Forschung als ‚von der realen Welt entfernt‘. Stattdessen sagte er, der erfolgreiche Schutz der Art erfordere die Bekämpfung der Zerstörung des Lebensraumes und der Wilderei durch weitere Schutzgebiete und mehr Einsatz vor Ort.

‚Die Behauptung, dass die Zucht in Gefangenschaft das Sumatra-Nashorn retten kann, lässt das Scheitern des in-situ-Schutzes weniger schlimmer erscheinen. Dies wiederum trägt dann dazu bei, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu schaffen, dass wildlebende (Populationen) eine geringe Überlebenschance haben‘, schrieb er.

Naturschützer verließen sich auf provisorische Brücken, um Nashörner in abgelegenen Gebieten zu fangen. Kritiker argumentierten, dass mehr getan werden müsste, um diese Lebensräume zu schützen. Mit freundlicher Genehmigung von Francesco Nardelli.

In dem Artikel wies Rabinowitz darauf hin, dass wir 1995 noch immer nicht wussten, wie viele Nashörner tatsächlich übrig waren – eine Tatsache, die mehr als 20 Jahre später noch ebenso gilt.

‚Während ein Teil der Schuld…bei den Regierungen von Indonesien und Malaysien zu suchen ist, liegt ein anderer Teil bei den internationalen Finanzierungs- und Naturschutzorganisationen‘, schrieb Rabinowitz. Er sagte, NGOs hätten es vermieden, etwas Schwieriges zu fordern, um nicht ‚ein unwillkommener Gast zu werden‘.

Grundsätzlich hätten sich die NGOs im Bereich Naturschutz den Interessen der Land- und Holzwirtschaft gebeugt, ein Faktor, der auch heute noch oft zutrifft.

Im Mai dieses Jahres, kurz vor seinem Tod im August, sagte Rabinowitz Mongabay, dass sich seine Meinung über dieses frühe Programm nicht geändert habe. Jedoch sagte er, geändert habe sich die heutige Situation, sowohl in Bezug auf den Erfolg der Zucht in Gefangenschaft, als auch auf die Nashornbestände vor Ort.

1995 wurde das letzte Nashorn für das Zuchtprogramm in Sabah gefangen. Sein Name war Malbumi. Er war innerhalb von 18 Monaten tot. Der Grund? Ungeklärt.

Artikel veröffentlicht von Maria Salazar
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