Zu früheren Zeiten gehaltene Sumatra-Nashörner von 1641 bis 1984

Nach dem passend betitelten Buch ‚Das Nashorn in Gefangenschaft: Eine Liste von 2439 Nashörnern, gehalten von römischen Zeiten bis 1994‘ wurde das erste Sumatra-Nashorn 1641 in Gefangenschaft gehalten. Und zwar in Aceh, an der nördlichen Spitze Sumatras, als die Region ein machtvolles Sultanat war. Erst 200 Jahre später wird von einem anderen Sumatra-Nashorn berichtet, das in Gefangenschaft gebracht wurde.

Im 19. Jahrhundert kamen 37 Tiere in Gefangenschaft, einschließlich zweier Tiere, die an den amerikanischen Zirkus Barnum und Bailey gingen; eins von ihnen starb innerhalb eines Jahres, das andere überlebte nur fünf.

1889 gab es ein noch bemerkenswerteres Ereignis: ein Sumatra-Nashorn, das mehrere Jahre im Kalkutta Zoo gelebt hatte, vermehrte sich erfolgreich, der erste bekannte Zuchterfolg. Zu dieser Zeit wird der Kalkutta Zoo, Indiens ältester, von einem Biologen geleitet, der seiner Zeit voraus war, Ram Brahma Sanyal, der ein äußerst bedeutendes Handbuch zu Pflege und Zucht in Gefangenschaft verfasste. Das Kalb, ein Bulle, wurde 14 Jahre alt.

Die Dinge verlangsamten sich deutlich über die nächsten 50 Jahre, wahrscheinlich aufgrund der beiden Weltkriege und einer immer kleiner werdenden Population (obwohl ein Nashorn irgendwie nach Osaka, Japan, gelangte).

Der nächste große, koordinierte Versuch, Sumatra-Nashörner zu fangen, war eine Expedition nach Sumatra unter der Leitung der Zoos Basel (Schweiz) und Kopenhagen (Dänemark). Laut dem Buch ‚Rhino Country‘ von Hakon Skafte aus dem Jahre 1964 war diese Expedition die Idee von Svend Andersen, dem damaligen Direktor des Kopenhagener Zoos. Andersen erzählte Skafte, was er sich am meisten wünsche, sei ein Exemplar des ‚behaarten Sumatra-Nashorns‘.

Ein dichter, hochgewachsener Regenwald in der Provinz Riau, an der Ostküste der indonesischen Insel Sumatra. Bild von Rhett A. Buttler/Mongabay.

Es wurde eine Expedition zu einem ungeschützten Wald am Fluss Siak in der Provinz Riau gestartet. Skafte beschrieb sie in einem Artikel von 1962 als ‚eine der aufregendsten Großwild-Safaris, die man sich vorstellen kann‘. Skafte und Arne Dyhrberg, ebenfalls vom Kopenhagener Zoo, ließen einheimische Männer bekannte Nashornpfade mit einem 10 x 10 Meter Palisaden-Zaun einkreisen, in den sechs Falltüren eingebaut waren, die zufallen würden, sobald ein Nashorn hineinging.

Unglücklicherweise kam das erste Nashorn mit einem unerwarteten Gast an: einem Sumatra-Tiger. Der Tiger entkam schließlich der Falle, doch das Nashorn überlebte nicht. In seinem Buch beschuldigt Skafte vor Ort Arbeiter, sie wegen eines Streites um Bezahlung vergiftet zu haben, konnte aber keinen echten Beweis dafür liefern. Dem Team gelang es jedoch bald, ein anderes Nashorn zu fangen, ein Weibchen, das sie Subur nannten. Sie schickten sie ins kalte Kopenhagen, wo sie von Heu, Karotten, Äpfeln und Kartoffeln lebte (tagelang aß sie nur Reisbällchen). Wundersamerweise überlebte sie in Dänemark trotz dieser merkwürdigen Diät 13 Jahre.

Die Expedition fing nach Subur drei weitere Weibchen. Eins starb bevor sie weitergeschickt werden konnte. Die anderen beiden starben 1961, eines in Basel, das andere in Bogor, Indonesien. Die Expedition fing auch einen Bullen, der aber der Falle entkam und damit jeden Zuchtversuch unmöglich machte.

In den mehr als 300 Jahren zwischen 1641 und 1984 wurden nur 56 Sumatra-Nashörner in Gefangenschaft gehalten. 1980 waren alle davon tot.

Zwei Tage in Singapur

‚Wir vom IUCN betrachten dies als ein äußerst wichtiges Ereignis, es könnte ein Präzedenzfall werden für andere Arten (in) anderen Regionen der Welt‘, sagte Robert F. Scott, Geschäftsführer der IUCN Spezies Survival Commission, bei der Eröffnung der Sitzung 1984, entsprechend dem sorgfältig dokumentierten Protokoll. Aus dem Protokoll geht klar hervor, dass viele Teilnehmer glaubten, dass die getroffenen Entscheidungen bezüglich des Sumatra-Nashorns weitreichenden Einfluss auf andere Arten haben könnten. Wenn Zoos und Naturschützer bei der Zucht dieser Art erfolgreich wären, könnte das auch für andere beinahe ausgestorbene Arten gelingen. Es war eine aufregende Zeit für Zoos, die sich zu dieser Zeit einer grundlegenden Umgestaltung unterzogen von Einrichtungen, die größtenteils als zum Vergnügen der Menschen betrachtet wurden, zu Einrichtungen, die einen ernsthaften Beitrag zum Naturschutz leisten können. Zuchtprogramme für Arten wie die arabische Oryx und das goldene Löwenäffchen liefen bereits und sollten sich in den kommenden Jahrzehnten als erfolgreich erweisen.

Die Zoos hofften, das ex-situ-Zuchtprogramm für Sumatra-Nashörner könnte dazu beitragen, den Wert der Zoos für den Naturschutz zu beweisen.

Aber nicht jeder war für diese Pläne.

‚Immer mehr Leute waren gegen die ex-situ-Zucht, aber eine kleine Kerngruppe drängte vorwärts‘, sagte Mohammed Khan bin Momin Khan, damals Leiter der Asian Rhino Specialist Group und Direktor des Malaysian Wildlife Departments, der an dem Treffen teilnahm.

Als ausgesprochener Kritiker der ex-situ-Zucht erwies sich Rudolf Schenkel, ein Nashorn-Experte im Baseler Zoo (der vielleicht am ehesten für seine Forschungen an Wölfen in Gefangenschaft bekannt ist). Laut Protokoll argumentierte er wiederholt und mit Nachdruck gegen die Zucht in Gefangenschaft. Er sagte, dass ein Tier in Gefangenschaft ‚seine Bedeutung‘ und seine ‚Würde‘ verliere, weil es vom Ökosystem, in dem es sich entwickelt hat, getrennt ist.

‚Er war total gegen die Fänge. Es ist wie ein Mantra für ihn‘, sagte Payne, der feststellte, Schenkel habe teilweise die Stimmung der Sitzung gedämpft, ‚aber alle haben ihn höflich überstimmt.‘

Ein Sumatra-Nashorn-Baby, geboren im Zoo Cincinnati, zeigt das für die Art charakteristische raue Fell. Nashörner aus dem Freiland in westliche Zoos zu bringen, war ein umstrittener Schritt, jedoch für den Erfolg des Programmes entscheidend. Mit freundlicher Genehmigung des Cincinnati Zoo.

Es gab auch eine heftige Debatte, ob die Zucht beschränkt bleiben sollte auf Malaysien und Indonesien, die noch lebende Sumatra-Nashörner hatten, oder ob auch die USA und Großbritannien Sumatra-Nashörner bekommen sollten. Natürlich war ein Hauptargument, die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung zu halten. Aber auch Nationalstolz spielte eine Rolle.

Dennoch setzten sich die Argumente für den Versand wenigstens einiger Paare ins Ausland durch. Die Gründe dafür, erklärte Foose vom AZA, seien die Erfahrung der Zoos in Europa und den USA mit der Haltung anderer Nashornarten und ihr allgemeines Know-how in der Zucht, sowie der neuester Stand ihrer Technik und Forschung bezüglich Fortpflanzungstechnologie wie künstliche Befruchtung, Embryonentransfer und Kryokonservierung. Zu den interessierten Zoos gehörten einige der besten der Welt, von San Diego über Cincinnati bis zum Bronx Zoo.

Sumatra-Nashörner in die USA zu bringen würde auch eine breite Anerkennung und Unterstützung für die Art bedeuten, sagte Foose.

Diese Grafik zeigt die Orte, an denen wilde Nashörner gefangen wurden. Der äußere Ring zeigt die Orte, an denen die Nashörner des Programmes gegenwärtig sind oder zum Zeitpunkt ihres Todes waren. Diagramm von Willie Shubert für Mongabay.

Laut Protokoll erklärte Warren D. Thomas, der Direktor des Los Angelas Zoo, an einem Punkt der Diskussion, warum das Eigeninteresse von Zoos berücksichtigt werden muss. Dieser Punkt wird nicht weiter ausgeführt, aber man kann sich vorstellen, dass Thomas darauf hingewiesen hat, dass die beteiligten Zoos für die beträchtlichen Geldsummen, die sie in das Programm investieren, auch Sumatra-Nashörner für ihre Einrichtungen haben möchten. Die Zoos wollten nicht nur die Kosten für Fang und Transport übernehmen, sondern auch intensiveren in-situ-Schutz unterstützen. Vieles davon war bereits ausgearbeitet worden: sowohl die früheren Vereinbarungen zwischen AZA und Sabah als auch die zwischen Aspinalls Howletts Zoo und Indonesien beinhalteten bereits technische und finanzielle Unterstützung.

‚Eigentlich wurde viel weniger debattiert als erwartet‘, sagte Nardelli vom Sumatra-Rhino-Projekt. Die Regierungsvertreter von Indonesien und Sabah waren bereits von diesem Zuchtprojekt überzeugt.

Während des Treffens brachte Aspinall den Fall des Kouprey zur Sprache. Zu diesem Waldrind des südostasiatischen Festlandes habe es zwar ‚viele‘ Konferenzen gegeben, diese haben jedoch zu keiner Aktion geführt, warnte er. ‚Es gibt nur noch 10-20 Koupreys und nur ein Wunder kann sie noch retten.‘ Das war ein passendes Argument. Die letzte bestätigte Sichtung eines Kouprey erfolgte 1983, ein Jahr vor dem Treffen. Es ist anzunehmen, dass er inzwischen ausgestorben ist. Während des Treffens schienen sich die Teilnehmer Aspinalls Argument zu Herzen zu nehmen, auch wenn es noch Widerspruch gab.

‚Eigentlich war es eine sehr gute Diskussion‘, sagte Payne.

Am Ende stimmte die Gruppe der Zucht von Sumatra-Nashörnern in Gefangenschaft zu, sowohl im Land als auch im Ausland, für Tiere ohne Hoffnung auf Überleben im Freiland. Das bedeutet, Tiere wurden nur Populationen entnommen, die zu klein waren, um langfristig zu überleben oder aus Lebensräumen, deren Zerstörung bereits beschlossen war.

Diese Wahl sollte den Erfolg des Programmes nachhaltig beeinflussen.

Weiterhin sollten die drei bekannten Unterarten des Sumatra-Nashorns nicht gemischt werden bis weitere taxonomische Arbeit die Unterschiede zwischen ihnen klären würde – eine weitere Entscheidung mit erheblichen Auswirkungen. Bis heute wurden die Unterarten nicht gemischt, obwohl Wissenschaftler inzwischen sagen, man sollte es tun, wenn überhaupt machbar.

Man einigte sich auch auf die Einrichtung einer neuen Organisation, welche die Bemühungen überwachen und die Koordination zwischen den verschiedenen Ländern und Institutionen gewährleisten sollte. Dies wurde der Sumatra Rhino Trust, der nur bis 1993 bestehen würde.

Die Besprechungen dauerten zwei Tage und jeder, der jemals an einer solchen Veranstaltung teilgenommen hat, fragt sich vielleicht, ob die wichtigsten Gespräche wohl beim Mittagessen, beim Tee oder einem nächtlichen Umtrunk stattgefunden haben. Aber es gab eine Einigung.

Foose muss begeistert gewesen sein.

Jeram, im Bild an eine Ölpalme gebunden, war das erste Sumatra-Nashorn, das seit den frühen 1960er Jahren gefangen wurde. Sie wurde 1984 in einer Palmölplantage gefunden und wäre fast an Wilderer übergeben worden. Aber Beamte der Naturschutz-Behörde kamen zuerst dort an. Bild von Mohammed Khan bin Momin Khan.

Fünf Monate vor dem Treffen in Singapur gab es auf der Halbinsel Malaysien ein unglaubliches Ereignis. Ein halbblindes weibliches Sumatra-Nashorn war in eine Palmölplantage gewandert. Sie wurde von Arbeitern gefangen, angebunden und von Hunderten Einheimischen umringt. Khan sagte, er musste zum Ort des Geschehens rasen, um ‚Tierhändlern‘ zuvor zu kommen, die bereits auf dem Weg waren.

‚Ich konnte nicht glauben, dass es tatsächlich ein Sumatra-Nashorn war‘, erzählte Khan seinerzeit den Medien. ‚Ich hatte Angst, dass das Tier vor Schreck sterben könnte und besorgt, es sei zerhackt und exportiert, bevor wir dort ankommen.‘ Erstaunlicherweise kam Khan zuerst an und Jeram, wie sie genannt wurde, überlebte die Tortur. Khan und sein Team bauten schnell eine Kiste und brachten sie um Mitternacht in den Malacca Zoo.

So hatte zur Zeit des Treffens die Halbinsel Malaysien bereits ein Nashorn in Gewahrsam, das erste seit einem Vierteljahrhundert gefangene. Und Naturschützer waren zuversichtlich, dass sie mehr Tiere fangen und mit ihnen erfolgreich züchten könnten.

By the time of the meeting, then, Peninsular Malaysia already had one rhino in captivity, the first one caught in a quarter-century. And conservationists were confident they could catch more animals now and breed the hell out of them.

Aber das Ganze solle sich als viel komplizierter herausstellen, als irgendjemand hätte ahnen können. Innerhalb von nur 10 Jahren wird das Treffen in Singapur einem betrunkenen Fahrer ähneln, der in ein Auto stieg – kaum in der Lage, die Straße vor ihm zu erkennen, aber sicher, dass er gut nach Hause kommen würde.

Nach ihrem Fang auf der Halbinsel Malaysien lebte Jeram 18 Jahre im Malacca Zoo und starb vermutlich an Altersschwäche. Sie war die erste eines Fangprogramms das über zehn Jahre dauerte und in dessen Verlauf 40 Nashörner gefangen wurden. Bild von Mohammed Khan bin Momin Kahn.
Artikel veröffentlicht von Maria Salazar
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